Zeichen von Steinarbeitern und in Stein geschriebene Unterschriften

Zeichen von Steinarbeitern und in Stein geschriebene Unterschriften
San Isidoro, León (Spanien)
San Miguel de la Escalada, León (Spanien)
Santa María de Sandoval, León (Spanien)
Vera Cruz, Segovia (Spanien)

 

Steinarbeiter und Meister ihres Faches im Mittelalter

In der Romanik lag die Verantwortung für den Bau von Kirchen in den Händen des sogenannten Magister Muri. Dieser wurde mit der Virga, dem Bischofsstab dargestellt. Dieser Meister hatte das für die Vollendung seiner Arbeit notwendige Wissen und war auch für die Organisation der Aufgaben, den Materialtransport und die Erfindung neuer Maschinen und Baumethoden etc. zuständig.

Der Bauleiter und die Arbeiter, die im Laufe der Bauzeit auf immer neue Herausforderungen stießen, waren auf diesen Meister angewiesen. Der Meister brachte auch die Bildhauer, Schnitzer, Steinmetze, Steinschneider, Schreiner, Maler etc. unter einen Hut. Diese Gruppen nannte man dann „Korporationen“. Für Großprojekte brauchte man manchmal mehr als eine solcher Gruppen, entweder aus der Gegend oder aus dem Ausland. Der Magister Muri und die Steinarbeiter waren gebildete Leute und hatten Mathematik, Geometrie und Architektur studiert.

Zeichen der Steinarbeiter

Viele der Steinarbeiter und der Magister Muri hatten eine Signatur – ein Zeichen des Steinarbeiters – das sie als die Urheber eines Projektes kennzeichnete. Dabei war der Magister Muri der Bauherr und der Steinarbeiter für die Steinschnitzarbeiten zuständig. Aber diese Steinmarkierungen haben womöglich eine ganz andere Bedeutung als bisher erläutert, sind vielleicht ein Symbol, das diese Zeichen in Bezug zu den Templern etc. setzt. So gelangte der Stein durch seine Bearbeitung und das Schnitzen zu einer Symbolik. Die legendären Meister standen in Verbindung zu den Erbauern des Salomon-Tempels, die uraltes Wissen besaßen und bewahrten. Auf diese Weise sollten die Meister ihre Geheimnisse an Neulinge weitergeben, die auch für alle zukünftigen Projekte ein neues Zeichen zugewiesen bekamen. Die Werkzeuge der Steinarbeiter spielten dabei eine große Rolle, so dass die Darstellung eines Zeichendreiecks, Zirkels, einer Spitzhacke etc. häufig unter den Steinarbeiterzeichen ist.

Zu Beginn der Romanik waren die Steinarbeiter-Logen rund um den Benediktinerordern organisiert, die sich zu regelrechten Architekturschulen entwickelten. Am Ende des 10. Jahrhunderts und zu Beginn des 11. Jahrhunderts taten sich die Architekten und Steinarbeiter dieser Zeit in fast geheimen, völlig weltlichen Gesellschaften zusammen und gründeten während des Heiligen Römisch-Germanischen Reiches die Bauhütte, ohne die Verbindung zur Kirche aufzugeben. Die Bauhütte wurde erschaffen als Zusammenschluss der Steinmetzbruderschaft, und die Bruderschaft aus Straßburg wurde als Haupthütte anerkannt. Die Meister, die die Kathedrale bauten, bestimmten über alle Nebenhütten in ihrem Einzugsgebiet.

Die gängigste Hypothese über die Steinzeichen wurde von M. Didron und Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert beschrieben. Sie sahen die “Zeichen als Markierungen des Steinarbeiters, die in die Kategorie der persönlichen Signaturen von Steinarbeitern, Zeichnern und Meistern gehören und in vielen Fällen die Arbeit eines jeden einzelnen hervorheben soll, um auf diese Weise den entsprechenden Lohn zu bestimmen“. Aber wir sollten doch im Auge behalten, dass nicht alle auftauchenden Steinzeichen von Steinarbeitern hinterlassen wurden. 

Unterschriften in Stein

Man findet auf den Steinen von Kirchen und Klöstern oft Zeichen auf Steinen, deren Bedeutung ganz eindeutig oder völlig unklar sein kann, und dann auch noch versetzt mit Signaturen der Steinarbeiter. Viele dieser Zeichen sind in jeder Kirche einzigartig und es gibt generell nur eine Signatur, die im ganzen Bauwerk nur einmal auftaucht, so dass es uns schwer fällt, deren Bedeutung zu verstehen. Das ist bei den meisten komplexen und seltsamen Signaturen der Fall. Häufig findet man auch völlig andere Zeichen im Stein als die der Steinarbeiter. Dabei handelt es sich um Zeichen oder Zeichnungen der Logenmitglieder auf ihren Reisen oder Pilgern, die offenbar keinen praktischen Sinn haben. Des Weiteren wird immer ein gewisser Zweifel bleiben, ob es sich bei den Steinen mit einer Signatur um Originalteile des jeweiligen Bauwerkes handelt oder ob sie aus einem anderen Projekt wiederverwertet wurden. Was auch immer die Erklärung für die Zeichen sein mag, wenn es denn eine gibt - wir können jedenfalls nicht umhin, die Schönheit und Komplexität von einigen von ihnen zu bestaunen, ebenso wie den Hauch von Geheimnis, der Objekte voller Symbolkraft immer umgibt.