Grüner Marmor aus Indien

Indien verfügt nicht nur über weltbekannte Granitvorkommen, sondern auch über die größten Lagerstätten von grünem Marmor (auf dem internationalen Markt auch „Verde Guatemala“ genannt). Von der technischen Beschreibung her handelt es sich hier um eine rekristallisierte, kompakte Form metamorphen, polierbaren Kalksteins – einem Serpentingestein. Der indische grüne Marmor ist ein sehr kompakter, reifer und fester Stein, und er ist härter und haltbarer als die grünen Steine, die man anderswo findet. So verformt sich indischer Marmor – anders als manch anderes Gestein - nicht, noch verblasst er mit der Zeit oder oxidiert. In Bezug auf Architektur und Ästhetik kann man sagen, dass der Farbton sehr harmonisch wirkt, so dass z.B. ein Bodenbelag aus grünem Marmor einfach großartig aussieht. Darüber hinaus stellt er schönen Kontrast dar, wenn er mit anderen Marmorfarben kombiniert wird.

STEINBRÜCHE
 

Die Steinbrüche mit dem grünen Marmor liegen in dem Gebirgszug Aravali, der als besonders reich an Mineralien gilt, und zwar um Udaipur und Dungarpur im Südwesten des Bundesstaates Rajasthan. Die Vorkommen sind weit verstreut in einem riesigen Gebiet mit vielen Dörfern, wobei die Region Kesariyajee im Bezirk Udaipur und die Gebiete, die an den Bezirk Dungarpur angrenzen, von besonderer Bedeutung sind. Entdeckt wurden sie in den späten 70er und frühen 80er Jahren. Die Lagerstätten in der überwiegend hügeligen und bergigen Gegend sind riesig.

Es gibt dort eine Vielzahl an Steinbrüchen. Abbaulizenzen bekommt man von der Regierung normalerweise für einen Zeitraum von 20 Jahren als Pacht. Gewöhnlich wird diese nach Ablauf erneuert. In dieser Gegend mit dem grünen Marmor bestehen fast 300 Pachtverträge für die Steinbrüche.

ABBAU

Grüner Marmor wird heutzutage mit modernsten Maschinen unter Einsatz von Spezialtechnik für Steinbrüche abgebaut, z.B. Kettensägen, Drahtsägen, Bohrmaschinen etc. Dabei wird auch schweres Gerät eingesetzt, so dass große Lasten und Marmorblöcke einfacher handzuhaben sind. Dank der beschriebenen Technik hat die Abbaumenge von grünem Marmor immens zugenommen. Allein für das Jahr 2011 spricht man von einer Menge von rund 150.000 t. Die Blöcke aus diesen Steinbrüchen sind sehr groß und damit kommt man auch ohne weiteres an große Platten.
 

VERSCHIEDENE SORTEN
 

Der grüne Marmor aus dieser Gegend hat verschiedene Farbtöne, die von Gegend zu Gegend leicht unterschiedlich sind. Grundsätzlich kann man zwischen zwei Sorten unterscheiden:
1) schlichtes Dunkelgrün
2) grünes Grundgestein mit weißer Maserung

 

Je nach Abbauort unterscheiden sich Ton und Struktur, was zu einer weiteren Vielfalt beiträgt. Bei der ersten Sorte kann der Farbton heller oder dunkler sein. Diese Schattierungen werden als Forest Green, Jade Green, Ocean Green, Oasis Green, etc. bezeichnet. Die zweite Sorte ist der ersten nicht unähnlich, wobei die Maserung und andersfarbige Stellen auch variieren können, sie können z.B. verstreut oder alle an einer Stelle liegen, oder die Maserung kann grob oder fein sein, etc.

Forest Green ist mittel- bis dunkelgrün mit einer verschieden farbigen Adern. Als Jade Green bezeichnet man eine eher einheitlich grüne Variante. Ocean Green ist eher dunkel mit weißen Adern darin. Diese Sorte wird unter verschiedenen Handelsnamen vertrieben. Oasis Green heißt eine gleichmäßig mittelgrüne Sorte mit weißen Strukturen.

VERARBEITUNG

Indien verfügt über Anlagen mit modernsten Maschinen aus aller Welt, in denen Platten/Fliesen/Monumente aus Marmor hergestellt werden. Die dunklere Marmorsorte neigt etwas zu Rissen und wird deshalb vor allem in Form von Fliesen vertrieben. Die meisten Firmen haben die entsprechende Ausstattung, um sowohl Platten als auch Fliesen unter einem Dach herzustellen. Sie verfügen über Gattersägen, automatische Poliermaschinen für Platten, Brückensägen, vollautomatische Fliesenanlagen und automatische Epoxyanlagen. Rund 150 moderne Gattersägenanlagen sind im Einsatz. Die Firmen mit Sitz in Udaipur verarbeiten vor allem grünen Marmor aus Süd-Rajasthan, während die Firmen in Jaipur vor allem Marmor mit dem Namen Rain Forest Green aus Bidaser im nordöstlichen Rajasthan, rund 250 km von Jaipur, verwerten.

 

ENDBEHANLDUNG

Meistens wird der Marmor poliert, allerdings besteht auch Nachfrage nach fein geschliffenem Stein. In letzter Zeit erfreut sich auch eine lederartige Oberfläche zunehmender Beliebtheit. 
  

MARKT UND ANWENDUNG

Grüner Marmor aus Indien wird in mehr als 75 Länder auf der ganzen Welt exportiert. Bei fast 90 % der Ausfuhr handelt es sich dabei um fertige Produkte wie Fliesen und Platten. Die Verschiffung erfolgt meist von den Seehäfen Mundra und Kadla aus. Bis ein Container mit Marmor Europa erreicht, dauert es rund 20 Tage, nach Amerika rund 35 Tage und in den Fernen Osten 8-15 Tage.
So wie bei vielen anderen Gesteinen auch, schwankt die Nachfrage nach dem Stein je nach Mode und Trend, was Preisschwankungen nach sich zieht. Dennoch bleibt die Nachfrage nach grünem Marmor aus Indien insgesamt in der ganzen Welt wie auch in Indien selbst bestehen, da er jedem Geschmack entspricht und für alle Anwendungen geeignet ist. Man verwendet ihn in Palästen, luxuriösen Ausstellungsräumen, Büros von Weltfirmen, Hotels, Moscheen etc. Noch vor einem Jahrzehnt wurde der größte Teil des grünen Marmors exportiert, aber inzwischen ist der heimische Markt für die Produzenten von enormer Bedeutung. Grüner Marmor ist eines der wenigen Materialien, die ihre eigene Nische auf dem Markt gefunden haben und dort von Fortbestand sein werden.

Anmerkung: Besonderer Dank an Kalit Bhandari, Hitesh Patel, Narpat Singh Shekhawat, Prabhat Jain, Ishwnder Singh, Jagdish Prasad Khetan und Narendra Sharma für die entsprechenden Informationen.

Juli 2012